Ur- und Frühgeschichte HU

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Abhandlungen

D. Gronenborn, Zum (möglichen) Nachweis von Sklaven/Unfreien in prähistorischen Gesellschaften Mitteleuropas

J. Greve, Die Grotte von Cougnac im Öko-Kontext

T. L. Kienlin, Frühes Metall im nordalpinen Raum. Technologische, kognitive und soziale Aspekte früher Metallurgie - Ein Vorbericht

T. Makiewicz, Scheibengedrehte "graue" Keramik in Großpolen

A. Pollex, Grabtiefen als Indikator gesellschaftlicher Strukturen?

U. Thiemer-Sachse, Indianische Petroglyphen auf Felsen in der Venezolanischen Küstenkordillere sowie den Raudales der Urwaldströme

Mitteilungen

Tagungsbericht: C. Eckhard, F. Schultz & M. Weiss; C. Hoffmann & B. Kulessa

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Zum möglichen Nachweis von Sklaven/Unfreien in prähistorischen Gesellschaften Mitteleuropas
von Detlef Gronenborn (Frankfurt/M.)

mit 9 Abbildungen

Sklaverei als gesellschaftliches Phänomen ist bislang in der prähistorischen Archäologie Mitteleuropas nur selten behandelt worden. Einer der Hauptgründe dürfte die schwierige Nachweisbarkeit von Sklaverei sein. Jedoch hat wohl auch die vielfach vertretene Ansicht, Sklaverei könne es in den konstruierten wenig hierarchisch gegliederten Gesellschaften nicht gegeben haben, eine Auseinandersetzung mit dem Thema verhindert. In dieser Abhandlung wird die Frage erneut aufgegriffen und mit Hilfe ethnographisch dokumentierter Fallbeispiele Ansätze zu einer Berücksichtigung von Sklaverei und möglicherweise rigide geordneter prähistorischer Gesellschaften vorgeschlagen.

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Die Grotte von Cougnac im Öko-Kontext
von Jörn Greve (Gilserberg-Lischeid)

mit 5 Abbildungen

Die Grotte von Cougnac gestattet eine wichtige Ausschnittsbetrachtung: Sie verweist auf diejenigen Bereiche im sozial-ökologischen Zusammenleben, die als Einbindung und Abgrenzung in die und von der Gemeinschaft und zur Natur eröffnet werden müßten, um eventuell darauf zu schließen, wie das menschliche Verhalten zur Natur auch in späterer Zeit zu gestalten wäre. Die Bilder und Zeichenabfolge dieser Höhle und ihre spezielle Ausgestaltung vermitteln möglicherweise Hinweise auf soziale Organisationsformen, den Zusammenhalt jungpaläolithischer Jägergruppen sowie den Sinn ihrer Überlebenstechniken und -strategien. Unter dieser transdisziplinären Sichtweise erfolgt eine interpretierende Betrachtung der vergleichsweise aggressiven Szenen und Symbole dieser Höhle, wenn man sie den Abbildungen von Pech Merle gegenüberstellt. Dabei wird E. Cassirers Interpretation symbolischer Formen und der ethno-interaktionistische Ausgangspunkt M. Raphaels um religions- ökologische Perspektiven unter Bezug auf neuere paläoarchäologische Vergleichsdaten erweitert.

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Frühes Metall im nordalpinen Raum. Technologische, kognitive und soziale Aspekte früher Metallurgie. Ein Vorbericht
von Tobias L. Kienlin (Tübingen)

mit 5 Abbildungen

Während Ausgrabungen und Materialvorlagen zu einer immer besseren Kenntnis des Denkmälerbestandes beitragen, kommt der Erklärung kulturellen Wandels am Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit in der deutschen Forschung nach wie vor keine besondere Aufmerksamkeit zu. Fortschritt und Dynamik in der Folge der Einführung des neuen Werkstoffs Metall erscheinen als logisch und folgerichtig, ohne daß Voraussetzungen, Ursachen und Mechanismen kulturellen Wandels der genaueren Spezifikation bedürften. Anders verhält es sich mit der einschlägigen angelsächsischen Diskussion, die hierzulande bislang nur zögerlich rezipiert wurde. Deren Vertreter verbindet ein starkes Interesse an den soziokulturellen wie sozioökonomischen Folgeerscheinungen der Metallurgie, wobei kulturanthropologischer Ansätze zur Anwendung kommen. Andererseits ist in dem mangelnden Rückbezug entsprechender Arbeiten auf die archäologischen Hinterlassenschaften ein deutlicher Mißstand zu erkennen. In dem hier vorgestellten Arbeitsvorhaben soll der Versuch einer Neubewertung der Quellen zur Sozialstruktur des in Frage stehenden Zeitraumes unternommen werden, wobei das besondere Augenmerk kognitiven Aspekten des Umgangs mit dem Werkstoff Metall gilt. Ausgehend von einer metallographischen Untersuchung frühbronzezeitlicher Beile des nordalpinen Raumes soll dabei durch den Rückbezug der zunächst primär technologischen Daten auf den archäologischen Kontext versucht werden, zur Gewichtung der angesprochenen Modelle kulturellen Wandels, insbesondere der Bedeutung des Metalls in den fraglichen Gesellschaften, beizutragen.

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Scheibengedrehte  "graue" Keramik in Großpolen
von Tadeusz Makiewicz (Poznan)

mit 5 Abbildungen und 2 Karten

Das Problem der scheibengedrehten sog. grauen Keramik ist eine Schlüsselfrage der Archäologie der römischen Kaiserzeit in Polen und auf dem Gebiet des mitteleuropäischen Barbaricums. Seit der Entdeckung dieser Keramik weckt sie großes Interesse und ist unter chronologischem und ethnischem Aspekt diskutiert sowie als Ausdruck für wirtschaftliche Wandlungen interpretiert worden. Ziel des Beitrags ist es, eine Zusammenfassung dieser Problematik im Gebiet Großpolens zu geben. Im Ergebnis ist u. a. festzustellen, daß die graue Keramik vorwiegend in arm ausgestatteten Gräbern nachweisbar ist und in praktisch allen Siedlungen der spätrömischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit vorkommt, wenn auch in geringem Anteil.

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Grabtiefen als Indikator gesellschaftlicher Strukturen?
von Axel Pollex (Berlin)

mit 4 Abbildungen

Die Tiefen von Körpergräbern stehen immer wieder unter dem Verdacht, auch einen Ausdruck der sozialen Stellung des Bestatteten darzustellen. Bevor diese jedoch in eine soziale Analyse einbezogen werden können, müssen die verschiedenen Faktoren, die auf die Grabtiefen Einfluß haben, beurteilt werden. Erst die quellenkritische Betrachtung dieser Befunde sowie ein Verständnis für das Zustandekommen diverser möglicher Korrelationen (z. B. zwischen Grabtiefe und Qualität der Beifunde) läßt eine erfolgversprechende soziale Analyse von Bestattungsbefunden unter der wünschenswerten Einbeziehung aller zur Verfügung stehenden Indizien zu.

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Indianische Petroglyphen auf Felsen in der Venezolanischen Küstenkordillere sowie den Raudales der Urwaldströme. Alexander von Humboldts Interpretation und gegenwärtige Beobachtungen
von Ursula Thiemer-Sachse (Berlin)

mit 3 Abbildungen

Die Interpretation von Petroglyphen wie anderen Zeugnissen der Felskunst prähistorischer Gruppen ist in allen Weltgegenden schwierig, weil die Bedingungen, unter denen sie entstanden sind, die Menschen, die sie schufen, und deren Anliegen und Ideen sowie die Rituale, in denen diese alten Kunstwerke eine Rolle spielten, in der Retrospektive meist nicht zu erschließen sind. Schon der berühmte deutsche Forschungsreisende, Alexander von Humboldt, zollte dieser Felskunst, der er erstmalig in Venezuela begegnete, Beachtung, versuchte sie als Zeugnisse einer vergangenen Zivilisation zu deuten und ihren kulturellen Zusammenhang zu entschlüsseln. Seither gibt es unterschiedlichste Interpretationsversuche. Interessant ist, daß entsprechende archäologische Zonen bis heute offenbar rituelle Bedeutung haben können, wie aus moderner Nutzung erkennbar wird.

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Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte

Institut für Geschichtswissenschaften
Philosophische Fakultät I
Humboldt-Universität
zu Berlin

Hausvogteiplatz 5-7
10117 Berlin

 

 


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